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Gewaltfreie Kommunikation

GFK ist die Abkürzung von Gewaltfreier Kommunikation:

Kinder tun manchmal Dinge, die für uns unannehmbar sind. Statt zu schimpfen: „Was fällt dir ein... du denkst nur an dich ...“ sagen wir unser Gefühl und Bedürfnis und kommen so mit dem Kind ins Gespräch.

Und wir erleben, wenn die Kinder verstehen, worum es uns geht, sind sie oft sehr kooperativ.

So kann das klingen:

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Beobachtung: „Du hast alle Birnen angebissen,
Gefühl: ich bin frustriert,
Bedürfnis: denn mir ist Rücksicht wichtig und das bedeutet für mich, dass jeder eine Birne bekommt.
Bitte: Was meinst du dazu?“

Und jetzt wird das Kind vielleicht sagen, was ihm wichtig ist und wir können eine für alle akzeptable Lösung finden.

 

Probleme ansprechen:

Auch unsere Kinder haben Probleme, sie sind manchmal traurig, müde oder wütend. Mit unserer bisherigen Sprache habe wir oft versucht zu beschwichtigen „ist doch nicht so schlimm“, zu ermutigen „versuch´s doch noch mal“ oder das Gefühl auszureden „das macht doch nichts“. Manchmal erreichen wir das Kind damit jedoch gar nicht. Einfühlung ist eine Möglichkeit, unser Kind gerade in seinem negativen Gefühl zu erreichen. Bei der Einfühlung oder Empathie geht es darum, mit Aufmerksamkeit ganz beim anderen zu sein. Es kann eine Verbindung entstehen zwischen uns, die den anderen in keiner Weise einengt oder manipuliert.

So kann Einfühlung klingen:

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Gefühl: „Bist du müde?”
Bedürfnis: “und möchtest du dich lieber mit Freunden treffen?”

 

Beobachtnug

Beobachtungen sind Beschreibungen von dem was ein Mensch sehen und hören kann.

Urteile sind Gedanken über etwas, was jemand gesehen und gehört hat.

Urteile über Menschen beschreiben die beurteilende Wahrnehmung des Menschen der das Urteil hat. Der beurteilte Mensch ist mehr als ein Ding. Es hieß doch mal, er sei Gottes Ebenbild und wer kann Gott beurteilen?

Unsere Kinder sind nicht schlau, dumm oder trotzig, sie sind Geschöpfe, die jenseits aller unserer Urteile leben, oder?

Statt der Urteile können wir Verhalten beschreiben: “Sie hat das Buch an einem Tag gelesen.” oder “Er hat in einer halben Stunde seine Schuhe angezogen.”

 

Gefühl

Gefühle haben was mit der Herzensenergie zu tun. Sie machen uns fühlbar lebendig. Woran merken Sie denn, dass Sie lebendig sind außer an ihren Gefühlen? Jede Maschine kann sich bewegen, aber fühlen kann nur das Lebendige, schön nicht wahr?

“Ich bin traurig” oder “Bist du glücklich?”

Gedanken entstehen im Kopf:

“Ich fühle, dass du irgendetwas hast!”

Was ist denn das für ein Gefühl? Da denkt jemand etwas und kann gleich statt “ich fühle”, “ich denke was über dich” sagen. Vielleicht fühlt er auch was, während er das denkt, aber von seinen Gefühlen hat er nicht gesprochen. So ein Gefühl könnte sein: “Wenn ich deinen Gesichtsausdruck sehe, dann bin ich verunsichert, ...”

Gefühle sind gekoppelt mit erfüllten oder unerfüllten Bedürfnissen. Bedürfnisse sind der 3. GFK-Schritt.

Bedürfnisse

Marshall Rosenberg nennt neun Bedürfnisse, die sich alle Menschen erfüllen möchten. Jedes nicht erfüllte Bedürfnis zeigt sich durch eine unangenehme Gefühlsqualität. Als Rückmeldung zeigt das unangenehme Gefühl dem lebendigen Menschen, dass er jetzt selbst besondere Aufmerksamkeit braucht. Erfüllte Bedürfnisse geben über wohlige Gefühle die Rückmeldung, es ist alles in Ordnung: “Genieße dein Leben.”

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Menschen sind soziale Wesen, deshalb leben sie in Gemeinschaften zusammen. Werte sind zur Orientierung im Sozialen da. Wenn Menschen danach sich ausrichten, dann entsteht ein Raum, in der jeder Einzelne seine Bedürfnisse erfüllt bekommt.

Bitte

Wir haben durch die GFK zwei verschiedene Arten von Bitten kennengelernt: Die Handlungsbitte:“wärst du bereit dies für mich zu tun?” und Beziehungsbitten, das könnte heißen: “Kannst du mir sagen was du gehört hast, was ich gesagt habe?” oder “Wie fühlst du dich jetzt, nachdem ich dir das gesagt habe?”

Bei einer Handlungsbitte hat die gebetene Person die Freiheit mit Ja oder Nein zu antworten.

Im Gegensatz dazu erlaubt die Forderung kein Nein.

Kinder erkennen, dass Eltern eine Forderung gestellt haben daran, dass sie als Kinder eine Menge Ärger bekommen, wenn sie Nein gesagt haben. Da Kinder überleben wollen, tun sie dann das, was sie eigentlich nicht wollen. Leider lernen manche dies ihr ganzes Leben hindurch zu tun, auch wenn ihnen unsinnige Forderungen im Leben begegnen. Wenn Kinder sich weigern und rebellieren, Forderungen zu befolgen, dann wird diese Phase in unserer Kultur Pubertät oder Trotzalter genannt.

Kinder, die Nein sagen auf eine Bitte, wollen vielleicht studieren, wie Eltern reagieren werden. Sie wollen ja wissen, wie sie reagieren können, wenn sie selbst mal auf ihre Bitte ein Nein hören. Z.B.wenn sie ihre Eltern fragen: “Könnt ihr heute mit mir in den Europapark fahren, mir ein Eis geben vor dem Mittagesssen und mich entscheiden lassen, ob ich heute in die Schule gehe.”

Ein anderer Grund Nein zu sagen, kann für Kinder auch sein, dass sie gerade mit etwas beschäftigt sind , was ihnen wichtiger erscheint, als in diesem Moment den Eltern ihre Unterstützung zu schenken. Eltern könnten dann fragen: “Was ist es was dich daran hindert, mir zu helfen? Ist es deshalb, weil du eine Forderung gehört hast?”

 

Werte

Jeder Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Bindung in einer Gemeinschaft. Wie die Werte ihrer Gemeinschaft gelebt werden, lernen Kinder von ihren Eltern. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, den in die Welt ankommenden Kindern zu vermitteln wie die Werte gelebt werden, damit Kinder lernen sich auszukennen. Rituale und Rhythmen helfen kleinen Kindern dabei. Große Kinder brauchen gemeinsame Absprachen mit den Eltern, wie Werte gelebt werden.

“Hier bei uns essen wir mit der Gabel, es gibt Kulturen, da wird mit den Fingern gegessen. Wollen wir das mal ausprobieren?”

“Respekt ist mir wichtig, deshalb geben wir zur Begrüßung die Hand. möchtest du es auch so tun?”

So wie es Gefühle gibt, die uns unsere erfüllten oder unerfüllten Bedürfnisse anzeigen, so gibt es auch "soziale" Gefühle, die uns zeigen, ob wir die Werte leben, die uns wichtig sind.
Zu den "sozialen" Gefühle gehören: Scham, Schuldgefühle, Reue, Stolz.

Wenn ich mich schäme, dann erfülle ich nicht meine Werte, fühle ich Schuldgefühle, dann verletze ich die Werte eines anderen Menschen, mit Reue möchte ich im Sozialen etwas in Ordnung bringen und mit Stolz, weiß ich, ich gehöre zu meiner Gemeinschaft dazu.